29.März 2026

Wie eine erhellende Klausur

Hannes Sonntag im Stadtmuseum Münster

Erfahrungen seltener Art: innerhalb von zwei Monaten fünf Veranstaltungen am selben Ort – und sie alle drehen sich um ein einziges großes Thema.

Anlässlich der Restaurierung des museumseigenen Knake-Konzertflügels aus den 1860ern konnte der Pianist und Autor Hannes Sonntag alle Register seines Könnens ziehen. Man erlebte ihn als inspirierenden Moderator seiner Erfahrungen mit einem absolut bemerkenswerten historischen Instrument, man lauschte seinen Interpretationen romantischer Klaviermusik und folgte in konzentrierter Stille den Erinnerungsspuren seines Buchs Landung einer Seele – Memoiren eines Sechsjährigen. In sonatenhaftem Bogen offenbarte sich ein künstlerischer Horizont, der in solch zwingender Analogie sicherlich eine Seltenheit darstellt.

Der Bedeutung des Anlasses entsprechend zeigte sich die wiederholte Präsenz des münsteraner Publikums: alle Events bis auf den letzten Platz besetzt, die Begeisterung einhellig. Wo anders als in den Räumlichkeiten eines Museums auch ließe sich sonst die Vereinigung von Musik, Literatur und Malerei derart homogen in Szene setzen!

   

06.Dez. 2025

Wärme, Klarheit, Poesie

Hannes Sonntag liest und spielt
Abschlusskonzert 2025 des Kulturforums Hiddingsel

Was ist Harmonie? Wenn Wort und Ton von der Bühne mit einem tief konzentrierten Publikum verschmelzen, wenn Kategorien künstlerisch produktiver und menschlich lauschender Andacht in ein gemeinsames Erlebnis münden.

Sonntags Novelle Ich Alter in Nippon paarte sich dabei mit feinsinnig ausgewählter Klaviermusik von Frédéric Chopin, Francis Poulenc, Darius Milhaud, Maurice Ravel und Federico Mompou. Gleich von Anfang an bestätigte das so seltene Gefühl inneren Schwebens die Wirkmacht eines klugen und bewährten Konzepts.

Am Schluss war es dann wie ein Auftauchen aus einer zweistündigen hermetischen Gegenwelt. Mit seinem Gedicht Morgengängerin und zwei Schubert-Tänzen dankte der Künstler dem einhellig begeisterten Publikum. Neben allen Sinnfaktoren bleibt in Erinnerung die überlegene Diktion des Lesenden und der zart besaitete Klang des großen Bösendorfer Imperial-Flügels.

 

01.Juni 2025

Klein, aber fein

‚Literatur der Zukunft‘ auf der KasselBuch 2025

Im zeitlichen Windschatten zwischen den Buchmessen von Leipzig und Frankfurt hat sich inzwischen eine „Kollegin“ etabliert, die sich mit ihrem ganz eigenen Gesicht zu einer Bereicherung der deutschen Buchszene entwickeln konnte. „Klein, aber fein“ trifft es dabei ziemlich genau – denn die limitierte Auswahl vor allem kleiner unabhängiger Verlage steht für Individualität und einen dezidierten Qualitätsanspruch.

Überschaubarkeit solcher Art bietet Win-win für beide Seiten. Das sonst messetypische Gefühl, angesichts eines kaum überschaubaren Angebots irgendwann „die Schotten dicht zu machen“, kommt in Kassel durch die Intimität des edlen Ambientes und eine auch optische „Wohlsortiertheit“ niemals auf. Der Konzentration des Publikums wird so höchst angenehm Vorschub geleistet. Für den Aussteller ergeben sich kreative Augenblicke zum Kennenlernen und Fachgespräch fast von allein – Networking einmal ganz praktisch, ohne Date und Scheinaktivitäten.

Wieviel Konzept im Einzelnen, wieviel Augenblicks-Charme im Allgemeinen: das Ergebnis überzeugt und, was vielleicht noch mehr ist, verbreitet gute Laune und Vorfreude auf 2026! 

14.Feb. 2025

1 plus 1 ist zwei

Zwei Jahre Literatur-Videos auf YouTube

Am 9. Februar 2025 stellten wir mit dem 61. Literaturvideo gleichzeitig auch das 41. Gedichtvideo ins Netz. Und sind erfreut darüber, dass unsere heimliche Botschaft „Wir bleiben dran“ die Hörerinnen und Hörer unseres YouTube-Kanals ganz offenbar erreichen konnte.

Ihnen allen, den wenigen Bekannten und vielen Unbekannten, gilt unser aufrichtiger Dank!
Ihr persönliches Interesse und Ihre literarische Treue sind uns Ansporn für die Zukunft.

 

15.Feb. 2024

Ein Jahr Lyrik und Prosa auf YouTube

Ein Miniatur-Jubiläum, das glücklich macht

Vor einem Jahr, genauer: am 1. Februar 2023, ging der Autor Hannes Sonntag auf unserem YouTube-Kanal mit zwei ersten literarischen Videos online: seine Erzählung Ein Hund zum Anfassen und das erste der Literaturgespräche Leicht gefragt – gern gesagt (Das weiße Blatt) wurden zum Auftakt eines Werkpanoramas, in dem Sonntag Prosa, Essayistisches, vor allem aber Lyrik aus seiner Feder präsentiert.

In die Welt gesetzt als editorischer Luftballon erdete sich das Projekt schon gleich zu Beginn mit allen Formen intensiven Zuspruchs und begeisterten Echos. Bis heute – und hier hat auch die quantitative Sicht ihren Platz – erhielt unser Kanal mehr als 6.500 Aufrufe. Das ist vor allem im Segment moderner Lyrik ein signifikanter Wert – zumal wenn der Zuspruch über ein Jahr hin unvermindert anhält.

Viele Beobachtungen stellen ja sehr allgemein fest, dass sich die Wahrnehmung von Literatur zunehmend „vermündlicht“. Doch was derart als Novum angesprochen wird, ist in Wahrheit die älteste Form literarischer Tradierung: das Vorsprechen und Vorlesen zielt direkt in Herz und Hirn von Hörerinnen und Hörern. Wenn nicht flackernde Höhlen- oder Herdfeuer, dann immerhin ist es die Optik des roten Designer-Lesesessels und der rückwärtige Korpus eines Gründerzeit-Klaviers, die Sinn und Sinnlichkeit von Hannes Sonntags Literatur hinterlegt.

Gerne nehmen wir das kleine 365-Tage-Fest zum Anlass, unsere persönliche Freude zu artikulieren. Auf ein Weiteres im noch jungen Jahr 2024!